#14 Prof.Dr. Sascha Münnich - Soziologe & Soulsänger

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00:00:00: Ja, das wäre vielleicht auch ein Auftrag an was man dem Publikum sagen könnte.

00:00:04: Was sozusagen Musik hört ist so die KI Die Möglichkeit die die KI heute hat irgendwie so Produkte zu erzeugen kommt.

00:00:12: wenn man nicht will dass das überhand nimmt ja dann sollte man auch als Zuhörerinnen und Zuschauerin irgendwie sagen ich versuche mal sensibler zu werden für das was sich eigentlich gewinne wenn da echte menschen was produzieren.

00:00:29: KI ist subversiv, weil sie sozusagen sehr schön offenlegt wie sich unsere Hörgewohnheiten zu so einem Durchschnittswert entwickelt haben und den kann es jetzt einfach nachmachen.

00:00:39: Und so sehe ich eigentlich auch das was passiert auf der Bühne.

00:00:43: also es gibt tatsächlich diesen Moment dieses Gemeinsamen wo man wirklich nicht mehr unterscheiden kann zwischen sich selber und den anderen die mitspielen und vielleicht sogar dem Publikum Also wo das so ineinander verschmelzt.

00:00:59: Und das ist ein ganz toller Moment, also da gibt es diesen tiefsitzenden menschlichen Wunsch irgendwie in der Gesellschaft aufzugehen

00:01:08: regelrecht.

00:01:09: Dann könnte man sagen die Musik kann eine Fluchtbewegung natürlich auch sein oder sich zu wehren gegen irgendwie die Zumutung des Marktes da draußen, dann in eine ja irgendwie auch künstliche kreative Welt sozusagen einzusteigen und die Leute dabei hilft mit diesen Prozessen umzugehen.

00:01:30: Man kann sie aber auch andererseits natürlich kritisch sehen und sagen mit der Vermarktlichungen ist eigentlich auch die Musik wird zunehmend zum Anhängsel des Markts.

00:01:39: wenn sie sozusagen warenförmig produziert wird steht sie vielleicht dann irgendwie so auf beiden Seiten.

00:01:45: Also wie viel Protest ist da drin und wie viele Ware, muss man sagen ja das wahrscheinlich beides.

00:01:50: Das ist halt insofern was Neues was wir jetzt erleben mit der KI dass die Kreativberufe dazu gehört die Musik aber dazu gehört auch mein Beruf Schreiben also auch das Schreiben von Texten wissenschaftliche oder kreative ähnliches Zum ersten Mal jetzt auch betroffen ist davon, dass da eine ganze Menge machinisiert werden kann.

00:02:10: Und das erschreckt sich natürlich... Es erschrecken sich vor allem die Leute, die mit den Bildungstiteln rumlaufen so wie ich.

00:02:15: Die erschreken sich ganz toll weil man sich dann fragt was es noch wert.

00:02:20: und auch die Musik?

00:02:22: Hallo mein Name ist Heiner Schmitz.

00:02:24: ihr hört Schmitzt Drift!

00:02:25: Musik, Menschen und mehr.

00:02:28: Mein heutiger Gast ist auch Musiker ein fantastischer Soßeger.

00:02:34: James Braun ist ein Spezialgebiet Aber er ist auch preisgegründer Professor für Soziologie der Wirtschaft an der Europa-Uni in Frankfurt, an der Oder.

00:02:44: Sascha Münich!

00:02:45: Heute wollen wir uns über Musik und Gesellschaft unterhalten wie diese Rolle der Musik sich in diesen Zeiten des Wandels, in denen wir uns gerade befinden verändert.

00:02:55: Das heißt KI Algorithmen Streaming was macht das mit der Musik?

00:03:01: Und die Funktion der Musik in unserem Zusammenleben.

00:03:06: Ich freue mich auf ein sehr interessantes und aufschlussreiches Gespräch.

00:03:10: Und wünsche euch viel Spaß beim Hören!

00:03:31: Ich glaube, gefühlten fünfzehn Jahren auf der Bühne.

00:03:49: Immer mal wieder hier vor allen Dingen bei Projekten mit der Jazz-Kantine wo wir jetzt auch gerade im Braunschweig sind.

00:03:55: Wir spielen musical zusammen.

00:03:59: Du bist ein fantastischer Sänger.

00:04:02: James Brown ist dein Spezialgebiet würde ich mal sagen

00:04:04: Genau die Soundmusik?

00:04:05: auf jeden Fall Ja

00:04:06: genau.

00:04:07: aber deine Berufung im wahrsten Sinne des Wortes gehört auch der Soziologie.

00:04:16: Ich wag mal den Schritt sozusagen in dein Terrain und beginne mal.

00:04:24: mich interessiert ja vor allen Dingen welche Rolle Musik spielt im Bereich der Sociologie, im Bereich dieser Gesellschaft.

00:04:32: Das Gemeinstiften ist... ich würde einfach mal anfangen mit einer Frage.

00:04:36: der Wirtschaftshistoriker Karl Polani hat beschrieben wie Gesellschaften auf die Entfesslung von Märkten mit Gegenbewegungen reagieren.

00:04:44: Kannst du das für Leyen, wenn das irgendwie möglich ist?

00:04:46: Kurz erklären.

00:04:48: und anschließend ist Musik vor allem in ihrer kollektiven nicht kommerziellen Form so eine Art Gegenbewegung.

00:04:56: Ein Raum, in dem andere Logiken gelten als Gewinn- und Tausch.

00:05:01: Ja da sind ja gleich zwei Knüllerfragen am Anfang.

00:05:05: Da ist ja dann die Zeit schon rum, wenn wir damit fertig sind.

00:05:08: Also der Polani sehr wichtig, also für mein Fach die Wirtschaftssoziologie.

00:05:14: Die versucht eben wirtschaftliche Prozesse nicht nur aus der Perspektive jetzt ökonomischer Modelle zu begreifen sondern eben als gesamtgesellschaftlich kulturell kulturwissenschaftliche Prozess zu begreifen ist ein ganz wichtiger immer noch ganz wichtiger Autor.

00:05:31: und er hat sich eigentlich ja mit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts Anfang des zwanzigsten beschäftigtes.

00:05:36: und es geht eigentlich darum dass er In seinem Hauptwerk, The Great Transformation eigentlich sagt wie sich Gesellschaften verschoben haben im Laufe des frühen zwanzig Jahrhunderts und das ist etwas was heute noch immer noch eine große Rolle spielt.

00:05:52: Nämlich ein gegeneinander wie du schon gesagt hast von so Marktlogiken und sagen wir mal den größeren socio-kulturellen Lebenswelten.

00:06:00: ja die Idee oder seinen Hauptargument Diese Idee des Marktes kommt in die Gesellschaft rein, als so eine Vorstellung.

00:06:10: Die Gesellschaft könnte sich selber regulieren, ja?

00:06:12: Könnte spontan eine Ordnung haben wenn alles nach Angebot und Nachfrage läuft, wenn der Markt darüber entscheidet was produziert wird dann wird alles effizient eingesetzt.

00:06:21: also die klassische liberale Erzählung ist ein Versprechen an einer Gesellschaft.

00:06:26: das kann dann alles sehr ohne all zu viel politischen autokratischen Eingriff von oben sozusagen sich selber gestalten Und dann reguliert sich die ganze Gesellschaft selbst.

00:06:38: Nun was Polani betont ist, wenn man das so machen will, muss man dafür sorgen dass die Gesellschaft sich permanent überall so umorganisiert wie der Markt sich das wünscht.

00:06:48: und das bedeutet man muss ständig zum Beispiel die Arbeitsverhältnisse müssen sich ständig ändern.

00:06:54: also zb Wenn jemand seinen Job verliert weil es jetzt eben keine Jobs mehr gibt oder immer weniger Jobs gibt in den fossilen Industrien Der Bergindustrie in Nordrhein-Westfalen und dann verlieren viele Leute ihre Arbeit.

00:07:11: Was müssen die tun?

00:07:12: Die müssen auf dem Markt sich sozusagen neu orientieren, was müssen werden?

00:07:15: Erzieher werden gesucht, da müssen sie als Erziehern nach München umziehen... ...und dann da als Erzierer arbeiten und dann kommen Sie wieder zurück.

00:07:21: das ist so die Vorstellung einer Regulierung der Gesellschaft.

00:07:24: und Polanis sagt Das bedeutet dann, dass die Gesellschaft zum Anhängersel des Marktes wird.

00:07:29: Das heißt alles muss ständig umgeraumt werden.

00:07:31: Die Leute müssen sich umziehen und sich umschulen.

00:07:33: Die ganzen Lebensverhältnisse müssen sich permanent umwälzen damit das funktionieren kann.

00:07:38: Und da sagt er, das macht ein letztes eine Gesellschaft mit sich eigentlich nicht machen.

00:07:41: Sie würde sich also wehren.

00:07:42: D. h., sie würde dann irgendwie sagen okay jetzt müssen wir die Leute beschützen.

00:07:46: Da die Kohlekrumpel beschützen Wir müssen ihnen helfen.

00:07:49: Wir müssen dafür sorgen, dass eine Familie nicht ständig Umziehen muss usw.. Und dass nicht ständig Skills entwertet werden, die Leute sich drauf geschafft haben.

00:07:59: Das heißt also im Grunde wird die Gesellschaft eintreten und dann in Form von Sozialpolitik und Ähnlichem da irgendwie gegenankämpfen.

00:08:06: Und das auch sozusagen kritisch im Sinne einer Protestbewegung.

00:08:09: Das heisst Polani sagt es gibt nicht nur den Neoliberalismus wie es heute mal so schön heißt der hat die ganze Welt irgendwie so sich untertanen macht und dann sind alle marktabhängig sondern man muss sehen, dass eine Gesellschaft das eigentlich nicht will.

00:08:21: Und dann gibt es so ein gegeneinander, ein permanentes.

00:08:24: Das ist ja das was gerade eigentlich auch passiert mit KI vor allen Dingen.

00:08:29: Alle haben oder sehr viele Leute haben berechtigte Angst auch um ihren Job und jetzt muss irgendwas dagegen auch passieren?

00:08:39: Genau nicht nur KI sondern auch die ganze Thematik der wir zu tun haben Die Polarisierung von Gesellschaften Der Aufstieg des Rechtsextremismus Oder Wiederaufstieg Des Rechtseextremismus.

00:08:51: Es wird in der Sozialwissenschaften an vielen Stellen als so eine Art neuer Polarimoment betrachtet, weil Polarini selber auch sagt diese Gegenbewegung gegen den freien Markt und gegen die Zumutungen wo die Gesellschaft zum Anhängsel des Marktes wird.

00:09:05: Diese Gegenbewegelung wird sich häufig und so hat sie es auch im zwanzigsten Jahrhundert getan nach rechts auswirken und nicht nach links.

00:09:11: das heißt also klassische Vorstellungen jetzt tun sich dann alle Arbeiterinnen zusammen Schaffen Sie den Kapitalismus ab?

00:09:18: Das ist nicht das, was passiert.

00:09:19: Sondern es gibt stattdessen autokratische, diktatorische oder sogar fascistische Reaktionen auf dieses und so kann man auch die viele der politischen Polarisierungen einordnen.

00:09:29: Nun ist mir bisschen die Frage welche Rolle da die Musik drin spielt ja sozusagen.

00:09:35: Und dann muss man jetzt sozusagen über den Punkt kommen dass ja die Musiksoziologie vor allen Dingen erst mal jede Art von Musik betrachtet als in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang.

00:09:50: Und da gibt es jetzt verschiedene Anknöpfungspunkte und man kann sagen, Musik ist ein Kunstwerk wie andere Kunstwerke auch erst mal Ausdruck natürlich eines gesellschaftlichem Kontextes.

00:10:01: Es gibt Produktionsbedingungen für Musik Da spielt die Gesellschaft rein.

00:10:05: Man kann aber auch stärker den Inhalt der Musik ins Zentrum rücken.

00:10:11: woraus besteht eigentlich der Kern, was ist die Struktur von Musik?

00:10:13: Ist sie eine Gesellschaft ähnlich oder ist sie anders als die Gesellschaft?

00:10:16: Das ist dieses Adorno-Thema.

00:10:19: Oder man kann auch stärker die... Was wir ja gelegentlich gemeinsam tun auf der Bühne sozusagen das Machen von Musik als ein Gesellschaft in dem Prozess begreifen und da dann gucken, was passiert bei Konzerten zwischen Publikum zwischen Leuten oder zwischen Leuten auf der bühne.

00:10:33: Da sind alles verschiedene Dimensionen.

00:10:35: jetzt der Musiksoziologie.

00:10:37: Wenn man das jetzt mal mit Polani zusammen denkt, dann könnte man sagen die Musik ist sozusagen irgendwie kann auch eine Fluchtbewegung natürlich sein oder sich zu wehren gegen irgendwie die Zumutungen des Marktes da draußen.

00:10:51: Dann in eine ja irgendwie auch künstliche kreative Welt sozusagen einzusteigen und die Leuten dabei hilft auch mit diesen Prozessen umzugehen.

00:11:01: Man kann sie aber auch andererseits natürlich kritisch sehen ist eigentlich auch die Musik wird zunehmend zum Anhänger des Marktes, wenn sie sozusagen warenförmig produziert wird.

00:11:13: Und insofern steht es sich vielleicht dann irgendwie so auf beiden Seiten.

00:11:16: ja also wie viel Protest ist da drin und wie viele Ware muss man sagen?

00:11:19: Ja das sind wahrscheinlich beides.

00:11:22: Jetzt ist die Musik ja auch ein eigener Kosmos.

00:11:25: Also was du gesagt hast, also wir sind mit dich sehr viel Ware dabei wobei auch da Der Wadenfluss sozusagen, so bisschen fragliche sind Stockengeräte.

00:11:40: Die alten Modelle greifen nicht mehr, dass du als Musiker mit deiner Musik überleben kannst auch wirtschaftlich.

00:11:48: Andererseits ist die Musik schon immer in ihrer künstlichen Form ja auch immer Ausdruck eines Protestes gewesen oder einer socio-kulturellen Bewegung wenn ich jetzt mal so an das frühe zwanzigste Jahrhundert denke, serielle Musik oder zwölftonmusik die sozusagen Hieraschinen aufgelöst hat.

00:12:13: Also tonale Hieraschen ist jeder Ton gleichberechtigt.

00:12:18: Das spiegelt ja auch schon irgendwie eine Art gesellschaftliche Bewegung

00:12:23: wieder.

00:12:24: Ja, auf jeden Fall.

00:12:27: Bist du gespannt, wohin es geht?

00:12:28: Jetzt dann auch!

00:12:30: Also sind wir ja ein bisschen bei der Musiksoziologie von Theodor Adorno, wo es eben darum geht zu sagen was ist die Struktur?

00:12:40: Wir gucken die Strukture des Werkes an und die kann eben Gesellschaft reproduzieren.

00:12:44: Kann sozusagen einfache Hierarchien produzieren wie sie in einer kapitalistischen Gesellschaft auch eine Rolle spielen und dann muss man sie kritisch sehen weil sie eigentlich nichts anderes tut als wie Adano sagt den Sound der Fabrik sozusagen in die Ohren zu verlängern als das moderne.

00:12:59: Mainstreammusik ist für ihn der Sound der.

00:13:02: Und auf der anderen Seite kann man aber auch dann ganz bewusst subversiv damit umgehen in so einem Werk.

00:13:09: Und wie du schon gesagt hast bei der Zwölfturnmusik, die von Adorno sehr gefeiert ist irgendwie sagen da werden übliche Hörgewohnheiten untergraben und damit auch Strukturen untergrabern hätte jetzt gar nicht das Egalitäre daran was du jetzt gesagt hast also jeder Ton ist gleichberechtigt ins Zentrum gerückt sondern überhaupt den Bruch mit dem sozusagen, mit diesem Flow den so eine Gesellschaft erzeugt wo man dann irgendwie Teil ist und der Gesellschaft im Grunde gar nicht mehr entgehen kann.

00:13:37: Und da muss die Musik dann eigentlich dagegen halten und da muss ja auch gerade dieses Atonale umabend werden weil es eben das Einzige was rausführt aus sozusagen einem allgemeinen Soundtrack des Kapitalismus.

00:13:49: Also weiteres Beispiel was mir da spontan einfällt ist natürlich auch so der Free Jazz in Amerika Ja.

00:13:57: Fünfziger, sechziger Jahre das ja wirklich also auch eine politische Dimension hatte in meinen Augen und...

00:14:07: Das ist auch was Adorno nicht so richtig gesehen hat.

00:14:11: Es ist also ein dieser Debatten um ihn dass er für ihn Jazz immer eindeutig sozusagen auf der Seite okay das ist eher das was den Kapitalismus Aufrechter hält.

00:14:20: da wird zwar improvisiert Aber im Grunde sind da festste Strukturen dahinter und einfache Melodieformen.

00:14:27: Und dafür kehrt man immer wieder zurück mit anderen Worten, das ist so ein Pseudo-Ausbruch.

00:14:31: er hat dann geschrieben.

00:14:31: Das hat sehr viel Ähnlichkeit beim Kapitalismus, weil man sich einbildet.

00:14:34: Man wäre jetzt ganz individuell während man aber eigentlich nur feste Formen verarbeitet die die Gesellschaft schon vorgibt.

00:14:41: Der Vorwurf an ihn – ich glaube der ist auch berechtigt – ist eine spezielle Art von Poppigen Jazz,

00:14:49: Lickert

00:14:49: und Mainstream.

00:14:51: Ich weiß nicht wann er das gesagt hat.

00:14:52: Er war in den

00:14:53: Fünfzigern?

00:14:54: Ja da hatte er vielleicht auch immer so ein bisschen die Ballroom Musik der Dreißiger, Vierzierteilig Jahre im Hinterkopf gehabt.

00:15:03: Und diese Verwandtschaft zwischen dem Free-Jazz und der Zwölfturmmusik in dem was sie da machen wollen auch und in der Kreativität und im Ausbruch hat er glaube ich gar nicht erkannt.

00:15:12: aber gut dass es Adorno muss man ja Man muss ja nicht mit Adorno argumentieren.

00:15:16: Also ich würde vielleicht noch hinzufügen, wenn wir gerade darüber reden was das Problem da auch ist man würde heute oder hat vielleicht auch schon damals aber heute besonders aus so einer kultursoziologischen Perspektive ja eine viel größere Distanz sehen zwischen den Produktionsbedingungen eines Werks ob das nur Musik ist oder Text und den Rezeption Bedingung.

00:15:36: Das heißt Die cultural studies betonen ja viel mehr was passiert sozusagen bei demjenigen, der die Musik hört?

00:15:42: und das ist gar nicht bei jeder Gruppe gleich.

00:15:43: Unterschiedliche Gruppen reagieren verschieden und dann können eben Songs die vielleicht sogar von Seiten der Produktion von irgendeiner Plattenfirma als Mainstreampop gemeint sind ganz anders angeeignet werden um plötzlich eine subversive Wirkung bekommt in einer Gesellschaft.

00:15:56: und diese Distanz zwischen Werkschaffung oder Werkproduktion und Rezeption würde man heute vielmehr ins Zentrum rücken die klassische kritische Theorie in ihrer Ideologiekritik getan hat.

00:16:07: Ist Musik eigentlich etwas, was dann wirkt?

00:16:13: Wenn es eben halt nicht nach diesen Markt kapitalistischen Prinzipien funktioniert... Also wenn ich Musik gebe einfach so ist das ein anderen Effekt als wenn ich meine Musik als wahre Verkaufe.

00:16:35: Also es gibt da so ein ganz grundlegendes Dilemma natürlich zwischen der Kritik, zwischen irgendeinem kritischen Verhältnis zu den gesellschaftlichen Bedingungen und der gleichzeitig Komplizenschaft.

00:16:47: Ja also das beschäftige ich natürlich seit der kritischen Theorie spätestens seitdem natürlich jede Art von Kunsttheorie dass immer Also dieses Adorno-Zitat, es gibt kein richtiges Leben im Falschen sozusagen wo dann die gesellschaftlichen Bedingungen irgendwie immer da drin sind so dass das ganz schwierig ist irgendwie diesem Gesamtkomplex zu entgehen und ist es eigentlich möglich eine Position einzunehmen in der eigenen Kunst.

00:17:13: Die dann wirklich eine wirklich kritische ist fundamentalkritische.

00:17:19: Es ist schwierig und ich denke man muss heute auch noch komplexer sehen als damals.

00:17:28: Also wenn das aus so einem fünftig oder sechstier Jahreprospektive, da war noch klarer, dass ist der Mainstream.

00:17:32: Das sind die Normen... Da kann man jetzt ja über Gender reden oder über politische Unfreiheiten und Hierarchien und repressive Erziehungen und so.

00:17:41: All diese Dinge hat man eine sehr klar definierte Mainstream-Gesellschaft und dann kann man in der Kunst das relativ leicht untergraben.

00:17:47: Das muss man heute erst mal schaffen angesichts einer sehr stark ausdifferenzierten vielleicht nicht individualisiert, aber doch in sehr viele Subgruppen zerfallenden Gesellschaft weltweit.

00:17:59: Wo eigentlich immer die Frage ist, wenn man sich jetzt kritisch irgendwie positioniert, wie meint man da eigentlich genau?

00:18:04: Meint man jetzt irgendwie dann, meint so ein Bundeskanzler oder meint mal so einen Corporate Chefs und an wem übt man jetzt eigentlich die Kritik?

00:18:10: weil also der Kritik ist einfacher, wenn die Verhältnisse sehr repressiv und einfach sind.

00:18:16: Sie ist komplizierter, wenn sie sozusagen in eine ausdifferenzierte Umgebung kommt.

00:18:21: Und wir leben ja heute auch in der Gesellschaft, die selber schon immer sehr kritisch ist.

00:18:25: Wir kaufen kritische Produkte und können sozusagen ökologisch bessere Produkte kaufen.

00:18:29: Wir können sehr genau wissen was wir für Waren kaufen können entscheiden.

00:18:33: Manche sagen wir wollen anders produzieren als andere.

00:18:36: Kauft unsere Produkte sind dann fairer und ähnliches.

00:18:38: das heißt wir sind eigentlich es heute in unserer Gesellschaft so ein Forschungsthema Bei mir, dass wir im Grunde die Gesellschaft der heutige Kapitalismus sich immer auch selber kritisiert.

00:18:48: Und dann kann das eine Artitüde werden!

00:18:49: Jetzt habe ich hier so ein Hollywood-Film gemacht und natürlich ist er kritisch.

00:18:52: Ein Hollywood-Film heute ist irgendwie auch kritisch gegenüber den gesellschaftlichen Verhältnissen.

00:18:56: aber ist das wirklich was, was gesellschaftlich etwas verändert?

00:19:01: Also wo der Criticist Dance in der Musik ist... Die Frage, das ist nicht mehr die einfache Ideologiekritik.

00:19:08: So sagen die Gesellschaft da draußen ist xy und ich fordere jetzt aber dass es anders wird.

00:19:13: Ist nicht ganz leicht weil es immer so viele Gruppen gibt, die schon sehr viele Dinge anders machen.

00:19:19: Es verschwindet also im Prinzip vieles.

00:19:22: Also künstlerischer Ausdruckkritik eigener Kreativer Output Das ist im Prinzip alles in der Zeit eine Gemengelage Nicht so leicht zu durchschauen, was jetzt wirklich einen Ausdruck einer radikalen revolutionären Kunstform wäre wie es damals Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts mit vielen Richtungen auch war.

00:19:53: Also Expressionismus und vieles war ja verstörend für die Rezeption der Gesellschaft damals.

00:20:02: Und heute ist eigentlich ziemlich vieles normal akzeptiert.

00:20:07: Jeder darf was sagen, also zumindest hier noch.

00:20:09: Ja ja.

00:20:11: Genau es gibt da natürlich auch Veränderungen, also es gibt natürlich Gesellschaften die ganz anders den Mainstream nochmal ganz anders auch gewaltvoll durchsetzen und das wird ja auch unter Umständen mehr so.

00:20:20: aber jetzt im den... Also dieses Verhältnis von ich bin jetzt Künstler und ich schaffe etwas und ich will irgendwie natürlich habe ich auch eine Kritik an so bestehenden Verhältnissen Klar kommen, sonst... Und dann ist die Frage wo dann immer die Grenze verläuft wenn ich jetzt sehr kritisch bin.

00:20:39: Also du bist kreativer Musiker, du entwickelst was Neues mit einem gewissen auch kritischen Haltung gegenüber dem was schon da ist und es gibt natürlich eine ganze Menge Möglichkeiten wo dann gesagt wird ja mir ist das ein interessantes neues Produkt dass verkaufen wir jetzt gerade weil es so kritisch ist.

00:20:56: Ja und dann ist diese Frage jetzt mal wieder gefangen Ja, ist man schon wieder zurück in dem Moment wo das dann erfolgreich ist oder nicht?

00:21:04: Weil man sich dann doch eben nach gewissen Markt- oder die meisten sich nach gewissem Mechanismen richten müssen.

00:21:11: Also ich muss so ein Produkt dann auch irgendwie antiesern auf Social Media und...

00:21:19: Der Kapitalismus sagt heute, du findest es nicht gut wie wir produzieren.

00:21:24: Hier sind andere Produkte, teurer kannst du kaufen und besser produziert.

00:21:27: Stimmt auch nicht?

00:21:30: Manchmal ist das Betrug aber meistens kein Betrugs.

00:21:33: Jetzt gibt es soziale ökologische Produkte oder Musik oder Filme.

00:21:37: Das ist ein gesellschaftskritischer Film den kannst du auch kaufen.

00:21:41: Und der Kapitalismus spricht ja nicht, wenn er sprechen würde dann würde er sagen... Kein Problem.

00:21:47: Wenn ihr was falsch findet in der Gesellschaft, machen wir neue Produkte.

00:21:50: Die könnt ihr dann kaufen und dann lebt ihr anders.

00:21:52: Also

00:21:53: ich sehe das vor allem so dass vieles der Main-Speed Musik ja jetzt auch ganz leicht reproduzierbar ist.

00:22:03: durch KI also auch eine Musikstimme verfallen werden viele Jobs wegfällen zum Beispiel wenn Hintergrundmusiken gemacht habe für Sound Libraries oder auch für Dokumentationen, für Filme.

00:22:25: Das ist man schon dabei.

00:22:30: Das merkst

00:22:31: du auch schon?

00:22:33: Ja.

00:22:33: Dass da viel mehr mit KI gemacht hat.

00:22:35: Also ich glaube auch so ein bisschen natürlich auf einem hohen Level... würde es immer weiter auch noch Menschen gemachte Musik geben, weil das dann auch der Kenner irgendwie auch erkennt.

00:22:51: Das ist jetzt KI und das nicht.

00:22:54: Aber für alles was unter das Leben Gebrauchsmusik fällt wird es schwierig da und ich glaube viele Musikerinnen müssen sich da auch gerade bisschen umorientieren.

00:23:10: Und die zweite Frage, also die daran anschließende Frage ist... Ist die der musikalischen Bildung?

00:23:17: Wir wissen ja alle dass das Allerren eines Instruments auch dich fördert in deiner Entwicklung

00:23:25: als

00:23:25: Gesamtpersönlichkeit.

00:23:27: Also alles wird damit gefördert und wenn jetzt so eine Haltung entsteht naja also am Ende wenn ich es jetzt nicht unbedingt professionell auf höchsten Level machen möchte, lohnt sich das doch gar nicht mehr eigentlich irgendwie Musik zu machen weil ich kriege das irgendwie überall besser reproduziert.

00:23:50: Da kommt jetzt wieder die Frage des gemeinschaftlichen Musizierens ins

00:23:54: Spiel.

00:23:55: was macht das mit einer Gesellschaft?

00:23:57: oder was macht dass mit sozialen Gruppen?

00:24:00: Ja Nee, das glaube ich auch.

00:24:02: Das ist eine differenzierte Geschichte mit der KI.

00:24:04: Man kann also sozusagen im Moment neigen wir ein bisschen dazu die negativen Seiten auch zu sehen – zurecht auch aber das ist vielleicht auch nicht das einzige.

00:24:17: Also man muss sich nochmal fragen worum geht es eigentlich beim Musik durch die KI?

00:24:24: Es geht offensichtlich nicht darum Funktionsmusik für verschiedenste Bereiche.

00:24:29: Also Musik, die Leuten gefällt zur Unterhaltung und so weiter auf einer bestimmten festeren Struktur zu machen.

00:24:37: Darum geht es offenbar beim Musikmachen nicht denn also zumindest nicht bei der künstrischen Seite von Musik.

00:24:42: Denn das kann und das zeigt uns die KI, die das jetzt machen kann sozusagen.

00:24:46: Und dann muss man sich nochmal fragen, worum geht's?

00:24:49: Das ist eigentlich ein Effekt, den du soweit technisch, wenn ich jetzt noch mal als Wirtschaftssoziologe reden soll... Im Grunde ist ja die KI irgendwie eine technische Innovation, wie sie auch schon seit zweihundert Jahren regelmäßig stattfinden.

00:25:02: Dass so Produktionsprozesse irgendwie technisiert werden und das führt immer dazu dass bestimmte Arbeit wegfällt oder ersetzt wird.

00:25:10: also was ein handwerklicher Arbeiter kennen das natürlich seit zweihundert Jahren oder vielleicht auch eher seit tausend dass sozusagen neue Maschinen, die kommen handwerkliche Fähigkeiten obsolet machen.

00:25:22: Die dann nicht mehr gebraucht werden.

00:25:23: und dann gibt es diese Auseinandersetzung mit okay aber was ist das Stück handgemachter Möbel oder ähnliches?

00:25:29: Es ist sozusagen noch mal etwas anderes als ein Maschinell hergestellt, aber es gibt so eine tendenzielle Entwertung der Skils und dann gibts immer diesen Trend Das Normale, das Einfache wird sehr viel günstiger und wird durch Maschinen hergestellt.

00:25:43: Und das High Ski Segment blüht.

00:25:45: aber weil dann Leute sagen ich will aber handgemachte Möbel Ich will sozusagen, weiß ich nicht handan das hergestellt ist keine industriellen Lebensmittel sondern.

00:25:54: Das heißt da gibt es dann einen High Segment und ich glaube ähnlich geht es jetzt auch.

00:25:59: mit der wird es jetzt in der Musik laufen.

00:26:02: Es ist halt insofern was Neues was wir jetzt erleben mit der KI dass so die Kreativberufe dazu gehört die Musik aber dazu gehört auch mein Beruf Schreiben ja also auch das Schreiben von Texten wissenschaftliche oder kreative und Ähnliches Zum ersten Mal jetzt auch betroffen ist davon, dass da eine ganze Menge maschinisiert werden kann.

00:26:21: Und das erschreckt sich natürlich... Es erschrecken sich jetzt vor allen Dingen die Leute, die eben sozusagen mit den Bildungstitel rumlaufen sowie ich, die erschreken sich ganz toll weil man sich dann fragt was es noch wert und auch die Musik?

00:26:34: Aber ich glaube, dass es tatsächlich vor allem diese Polarisierung geben wird zwischen dem was handgemachtes und vielwert und den einfachen Ding.

00:26:43: Man kann durch das Erstellen einfach Strukturen dann nicht mehr so gut klar kommen mit seiner Arbeit.

00:26:49: Und das ist aber auch und da kommt jetzt der Adorno, finde ich nämlich doch wieder rein weil sozusagen was ist das Besondere an der KI liegt in der Musik liegt ja darin dass sie bestimmte Art von Produkten Mainstream Pop Musik Unterhaltungsmusik wie du es jetzt eben sagtest vielleicht Hintergrund Musik für bestimmte Zwecke oder so herstellen kann.

00:27:11: Warum kann sie das?

00:27:12: Und jetzt kann man sagen, weil die KI so kreativ ist wie Menschen.

00:27:14: Nein!

00:27:15: Das ist nicht die Antwort sondern warum können Sie so gut diese Art von Sachen herstellen?

00:27:18: automatisch, weil wir so klar benennbar aus Strukturen haben in dieser Musik.

00:27:24: Also die können einfach Popmusik schreiben, weil popmusik so einfach nachzumachen ist und dass wer wieder Adorno sozusagen auf diesen festen Strukturn zugelaufen ist über lange Zeit.

00:27:36: Und insofern legt die KI jetzt schön, da könnte man fast sagen, KI ist subversiv.

00:27:42: Weil sie sozusagen sehr schön offenlegt wie sich unsere Hörgewohnheiten zu so einem Durchschnittswert entwickelt haben und den kann es einfach nachmachen und dann ist man total beeindruckt.

00:27:52: aber eigentlich steht dahinter ja, die einfach sind die simplen Hörgewohnheiten in denen

00:27:58: wir leben.

00:27:58: Genau, einfach die Schnittmenge genommen von dem was da ist ob das jetzt nun berechtigt ist oder nicht, also ob sie das auch durfte.

00:28:08: Ich hatte vor relativ am Anfang der Reihe hatte ich mal den Filmkomponist zu Gast Matthias Hornschuh, der mittlerweile europaweit sehr stark für die Wahrung der Urheberrechte sich einsetzt gerade im Bezug auf das Training von KI.

00:28:32: Also wenn KI halt mit urheberrechtlich geschützten Inhalten trainiert wird, wie Musik von mir, Musik von meinen Kollegen, was weiß ich?

00:28:46: Dann wird uns sozusagen auch so ein bisschen der Boden unter den Füßen weggezogen weil Musik... Das einzige was deine Musik als Produkt jetzt mal auch wieder marktwirtschaftlich gesehen als Produkt schützt, ist das Urheberrecht.

00:29:03: Dass du das Recht darauf hast da der Urhebe zu sein und dementsprechend an Themen zu bekommen.

00:29:08: Und das ist natürlich... Ist jetzt ein anderes Thema, ist nicht ganz korrekt gelaufen weil die meisten KI's also hat keiner gefragt irgendwie ob man seine Musik dafür benutzen kann.

00:29:22: Und es ist natürlich klar je weiter höher Wenn man das überhaupt sagen kann, sehr subjektiv.

00:29:31: Aber je höher das Level an Musik ist auch vielleicht an Strukturen die eben nicht so in das Schema F passen wie du gerade skizziert hast sondern aber je mehr von dieser individuellen Musik dann auch In das Training einbezogen wird desto weiter höher entwickelt sich auch die KI.

00:29:54: also die drängt sozusagen das was du als Na, High-Level gerade bezeichnet.

00:30:01: Das bringt die sozusagen immer weiter nach oben.

00:30:04: Genau.

00:30:05: Weil... Nein!

00:30:06: In der Wissenschaft üben wir es genauso.

00:30:07: Wir müssen viel besser schreiben und wenn eine inhaltliche Zusammenfassung eines Buches brauche ich heute nicht mehr zu schreiben ist nichts wert weil das kann eine KI machen.

00:30:15: man muss also wertvollere Dinge produzieren.

00:30:18: Ja

00:30:19: Also ist vielleicht auch ein Auftrag an die Künstler sich genauer zu überlegen, was ist mein Output?

00:30:26: Was möchte ich jetzt wirklich auf die Welt bringen.

00:30:28: Ist ja auch eigentlich eine gute Sache.

00:30:30: Auf der anderen Seite macht das die Einstiegsschwelle höher.

00:30:34: Ja es gibt und insbesondere die, also sagen wir mal im mittleren Segment, die dann sozusagen eben nicht vielleicht das nicht erreichen oder so.

00:30:44: Es gibt immer unterschiedliche Begabungen in Geschicklichkeit unter auch Möglichkeiten seinen Talente zu entwickeln

00:30:49: Wie solide Musiker.

00:30:51: Genau, der es geschafft hat irgendwie sich einen Marktsegment damit zu machen dass er eine Begleitmusik komponiert für ich weiß nicht supermärkte Hintergrundmusik oder irgendwas sozusagen und das wird verschwinden ja und da sind Leute arbeitslos so zu sagen und oder werden unter Druck gesetzt müssen dann was anderes tun.

00:31:10: Das aber ist wie gesagt die alte Geschichte des Kapitalismus Rationalisierung des Arbeitsprozesses.

00:31:15: das ist sozusagen für jemanden der handwerklich arbeitet Denn wundert das nicht, dass es dazu kommt.

00:31:22: Die kennt diese Brüche biografisch, da muss die was Neues lernen.

00:31:25: Mein Vater ist ausgewählter Radio- und Fernsehtechniker.

00:31:28: Er musste irgendwann umlernen zum Computerprogrammierer.

00:31:31: Und so passiert in den Kreativbereichen auch... Wer früher Anwaltskanzleien drehen sehr am Rad gerade bei dem Thema, wer früher den Job darin hatte die immer gleich strukturierten Briefe an Gerichte und andere Leute zu schreiben.

00:31:46: Der stellt jetzt fest das macht jetzt die Maschine.

00:31:48: da muss ich jetzt um lernen.

00:31:50: Jetzt haben wir über die Musik so ein bisschen als Produkt gesprochen auf das Thema des Zusammenspiels,

00:32:04: des Zusammenerlebens zurückkommen.

00:32:08: Das ist ja was... Das war für mich bei meinen Kindern wenn ich denen gesagt habe, ihr müsst jetzt ein Instrument lernen.

00:32:19: Also nicht nur weil das für eure Entwicklung gut ist sondern weil dieses Nachher in einer Bandspiel Musik gemeinsam erleben.

00:32:26: Es ist einfach ein tolles Gefühl was auch nicht so richtig fassbar beschreibbar ist.

00:32:37: Wie siehst du das?

00:32:38: Oder wie soll mir auch damit in Zukunft umgehen?

00:32:41: und wie machen wir den nachfolgenden Generationen schmackhaft, dass das irgendwie sehr hoch es gut ist?

00:32:50: Da zeigt sich auch ein bisschen eine problematische Sicht auf Musik, wenn man sie jetzt nur vom Produkt her sieht.

00:33:00: Insofern ist es schon natürlich genau der Prozess, der wichtig ist und da gibt's natürlich auch diesen Trend der digitalen Technologien, der ja auch dazu führt dass man immer weniger in einem Raum gemeinsam miteinander sozusagen Musik macht sondern vieles dann eher über die Ohren und sich das gegenseitige Zusenden unserer Stadt findet.

00:33:18: Und dieser Aspekt ist aber, und ich würde das Publikum mit reinnehmen auch.

00:33:22: Also sozusagen dieses Zusammenspiel zwischen den Leuten und dem Publikums im Raum.

00:33:29: Also das ist sozusagen, wenn man das erlebt hat.

00:33:31: Wir erleben das ja auch hier zum Beispiel in unserer laufenden Produktion wie jeder Abend doch anders ist, obwohl man immer dasselbe macht und im Grunde eine feste Form und da sind dann ganz Menge Witze und so und die funktionieren irgendwie auch immer aber sie sind jedes Mal anders und man kommt rein es ist ein gleiches anderes Gefühl da und man kommuniziert anders und auch miteinander.

00:33:51: und das ist auch sociologisch sehr interessant weil es eben nicht nur Na ja, bin ich heute gut und wenn ich heute Gut bin dann läuft es gut.

00:33:59: Und wenn du gut bist, dann läuft's gut Sondern wir kommunizieren während wir das tun und es kann uns passieren dass wir plötzlich beide gut sind oder beide schlecht und wissen gar nicht so richtig warum.

00:34:11: Das ist in der Soziologie immer das Emergenz also das sozusagen aus einem Gruppenzusammenhang aufsteigt.

00:34:18: Jetzt läuft es oder jetzt läuft nicht.

00:34:20: Und das ist was, was weit jenseits dessen stattfindet.

00:34:23: habe ich ein Fehler gemacht oder so.

00:34:24: Es ist etwas anderes und diese Art.

00:34:27: Ich denke da muss man darauf achten dass man also diese digitalen Medien helfen uns natürlich in gewisser Weise dabei die Reichweite auch zu erhöhen.

00:34:37: Man kann mit Leuten zusammenarbeiten.

00:34:38: Die sind gerade ganz woanders.

00:34:41: Fenster nutzen, die man sonst nicht nutzen könnte wenn man da immer am selben Ort sein müsste.

00:34:44: Das heißt das ist was zu gewinnen aber es geht eben natürlich auch etwas verloren weil viele dieser Dinge tatsächlich über face to face und ich muss dir sozusagen in die Augen schauen wenn wir zusammen spielen und kann nicht nur hören was du gespielt hast wenn's mir zugeschickt hast.

00:34:56: ja und da gibt´s natürlich eine ganze Menge auch soziologisch interessanter Gruppeneffekte Und übrigens ist das gar nicht soweit.

00:35:07: weg finde ich jetzt auch nochmal wieder vom Thema der Gesellschaftskritik Weil wir sozusagen, wir haben jetzt Adorno und die ganze Ideologiekritik immer so besprochen.

00:35:14: Der Inhalt ja also Kritik, das Produkt als Kritik.

00:35:18: Also weiß nicht wie dann im Theater wird der Kapitalismus verdammt oder im Roman oder man macht eine ideologiekritisches Musikstück aber was man auch macht ist in dem Moment wo man Musik macht.

00:35:28: man entscheidet sich für eine bestimmte Art der sozialen Interaktion und die kann man auch unterschiedlich gestalten Und man kann zum Beispiel Gesellschaftskritik auch dadurch üben.

00:35:39: Ich habe mit einem Theater-Resort zusammengearbeitet ein paar Jahre, der immer gesagt hat er glaubt ja dass das Kern des kritischen Gegenüber der Gesellschaft beim Theaterspielen eigentlich darin liegt wie geht mal mit den Leuten um mit denen man spielt?

00:35:51: Und das ist eigentlich der Punkt, welche Art von sozialen Beziehungen hat man.

00:35:56: Lässt man diese Logik der Hierarchie und der wahren Form in das was man da tut auch untereinander und sagt ja weiß nicht der spielt irgendwie besser denn tausche ich jetzt aus und dann rufe ich nicht mehr an keine Ahnung.

00:36:06: also so Marktlogiken lässt man die da rein oder versucht man eben im polanischen Sinne so ein Gegen eine Gegengruppe aufzuziehen, zu sagen wir sind hier ne Gruppe und wir gucken uns nicht nur an als was kann der auf seinem Instrument oder so sondern wir versuchen irgendwie Kommunikationsbeziehung aufzubauen.

00:36:22: Und auch darin kann eine Gesellschaftskritik liegen.

00:36:24: oder zumindest das schaffen von Räumen die dann vor dem Markt geschützt sind muss man.

00:36:29: aber es ist natürlich heikel weil man ja auch immer den nicht ganz entgehen kann.

00:36:33: Aber ich glaube da liegt auch was drin.

00:36:34: Das heißt man müsste eigentlich bei der Musikbetrachtung Auch beim Zusammenspiel drauf schauen, was sind das für soziale Situationen?

00:36:43: Sind dann sozusagen nicht professionelle Musikerinnen oder generell Künstlerinnen befreiter in ihrem Auftrag

00:36:53: künstlich.

00:36:53: Das ist eine kluge Frage!

00:36:54: Weil die ökonomischen Abhängigkeiten natürlich stärkschag begrenzen... wie es geht.

00:37:04: Also

00:37:05: was

00:37:05: möglich ist, mit wem man spielen kann und dann sind da... wenn man sagt hier funktioniert irgendwas sozial gerade nicht ja aber andererseits bin ich auch davon abhängig dass derjenige mich dann wieder anruft oder so und also mach jetzt zieh's jetzt irgendwie doch durch und das ist diese ökonomische Abhängigkeit.

00:37:21: als Amateur Ja?

00:37:22: Ich bin Amateur sozusagen im Sinne des ökonymischen Verhältnisses weil ich etwas anderes tue schwerpunktmäßig im Leben.

00:37:29: Da habe ich natürlich manchmal die Freiheit zu sagen, nee mir passt jetzt irgendwie die Nase nicht und selbst wenn er mich noch zwanzigmal anruft und bucht das passt mir jetzt nicht.

00:37:36: Und da liegt natürlich eine also ökonomisch unabhängiger zu sein.

00:37:40: Da liegt natürlich ne Chance drin.

00:37:44: andererseits denke ich geht es auch als Profi ja irgendwie zu sagen Also es gibt so eine Grenze welche Art von sozialer Umgebung ich mir da geben möchte oder nicht.

00:37:53: Und es geht jetzt, mir geht's auch gar nicht so sehr darum wie man selber, ob man jetzt selber leidet dabei sondern mir gehts eigentlich nur darum dass ich glaube das man beim bei diesem Prozess sich die Gruppen immer anschauen muss in denen man da arbeitet um richtig beurteilen zu können wie entsteht Musik.

00:38:17: Beim Jazz liegt der Fokus beim Zusammensitzieren sehr, sehr stark auf der Interaktion.

00:38:29: Das würde ich jetzt für andere Musikformen überhaupt nicht ausschließen.

00:38:32: Klassik auch nicht.

00:38:34: Klasik noch mehr Interaktionen aber auch Interpretation.

00:38:44: Jetzt ist es bei anderen Musikform... Funktionierten nebenher dann doch schon deutlich besser.

00:38:56: Jeder macht so seine Dinge und kommt sozusagen zu seinem Job, macht seinen Beruf.

00:39:03: Dieses Gefühl heute hat wir zusammen eine richtige geile Atmosphäre auf der Bühne ist wahrscheinlich selten nur zunehmend selten.

00:39:17: Dein Punkt mit dem Publikum finde ich tatsächlich aber auch sehr interessant weil Das ist ja was, was wir irgendwie spüren.

00:39:28: Ist dann eine Connection zum Publikum aber nicht so richtig greifen können.

00:39:35: Weil jedes Publikuum ist anders.

00:39:38: Jedes Publikumen besteht aus zahlreichen Individuen also im Idealfall zahlreich und die dann auch auf irgendeine Art und Weise mit uns Künstlern connecten.

00:39:54: Auch hier nochmal wird soziologisch gesehen, schafft das vielleicht so eine Art Blase für das Publikum?

00:40:02: Nicht Musikerinnen, die da kommen um sich Musik anzuhören oder in unserem Fall ein Theaterstück, die sozusagen ihre Markt kapitalistischen Glase, in der sie sich tagtäglich bewegen von finanziellen Nöten oder Notwendigkeiten irgendwie entkommen wollen und hier was erleben wollen.

00:40:28: Also kurz gefragt diese Frage der Kultur der Musik als Ausgleich gegen alles, was um uns herum passiert politisch wie finanziell ist ein wichtiger Faktor Also nach wie vor und darf auch in Zukunft nicht verloren gehen.

00:40:54: Ja, das wäre vielleicht auch ein Auftrag an was man dem Publikum sagen könnte.

00:40:58: Was sozusagen Musik hört ist die Möglichkeit die die KI heute hat irgendwie so Produkte zu erzeugen kommt.

00:41:06: wenn man nicht will dass das überhand nimmt ja dann sollte man auch als Zuhörerinnen oder Zuschauerin irgendwie sagen ich versuche mal sensibler zu werden für das, was ich eigentlich gewinne wenn da echte Menschen etwas produzieren.

00:41:22: Also dass ich nicht nur darauf gucke wie ist dann die Melodie oder wie ist der Groove oder so wo?

00:41:25: ich denke das kann eine KI mit Grenzen natürlich auch da irgendwas machen was mir gefällt.

00:41:30: aber hier ist noch was anderes drin.

00:41:32: also insofern muss man eigentlich alle einladen dafür auch einen Sensorium zu entwickeln.

00:41:36: was eigentlich das tolle is an daran wenn menschen das zusammen live

00:41:39: tun

00:41:40: und ich glaube das genau was du beschrieben hast diese Verbindung der das Publikum dann hat eine wichtige Rolle spielt.

00:41:46: Hast du denn das Gefühl, dass sich so eine Sensibilität beim Publikums mittlerweile entwickelt?

00:41:52: Dass die auch wirklich zu schätzen lernen... was da an echter Hand gemachter Musik oder generell Kunst auch passiert.

00:42:02: Also kannst du ja auf andere Kunstbereiche ausweiten, ne?

00:42:05: Ja

00:42:06: aber ich würde ganz ehrlich... Ich würde hier mit unserer lokalen sozusagen Musiksache die wir hier machen also sozusagen mit diesem Theater Musical Hip-Hop Musical Jazz Cantina Theater sozusagen was hier in Mauteuil stattfindet eigentlich kommen.

00:42:21: weil ich das Also so wie ich das lese oder wie ich es wahrnehme.

00:42:26: Das lebt davon, dass die Leute wissen, dass da Leute auf der Bühne stehen, die sozusagen diese Art von Projekten machen und die auch eine Verbindung haben zu der Band oder zur Stadt in der das stattfindet.

00:42:40: Und es lebt dafür, dass es diese Veranstaltung schon oft gegeben hat, ähnliche Veranstaltungen schon oft bei denen die waren,

00:42:46: d.h.,

00:42:46: es gibt einen gemeinsamen Erfahrungshorizont Und die sagen, ich weiß da ist der Heiner wieder dabei.

00:42:51: Da habe ich schon ein paar Mal gesehen in allen möglichen Rollen.

00:42:54: Der spielt nicht nur immer toll Saxophon sondern hat dann auch sozusagen ganz viele witzige Figuren irgendwie schon verkörpert und das fällt einem dann auch ein.

00:43:02: Das gehört dazu.

00:43:02: Das erwartet man an dem Tag und gibt so eine Verbindung.

00:43:06: Ich glaube nicht dass man jetzt in dieser Art von Projekt die wir haben zum Beispiel jetzt plötzlich mit ganz anderen Leuten antreten könnte und sagen könnt ihr, naja gut das Theaterstück ist dasselbe die Musik ist dieselbe.

00:43:17: Die könnten das irgendwie alle Musiker spielen können Schauspielern die ein bisschen Schauspillern können Und dann läuft das schon.

00:43:22: ich glaube es würde nicht funktionieren weil es eben diesen Erfahrungshorizont gibt zu sagen Das sind diese Personen ja und man merkt immer das merken wir auch beim Theater spielen immer wieder Weißen ob dir das aus so geht.

00:43:33: aber mir fällt immer auf Es gibt nichts schöneres Für uns und auch fürs Publikum, als wenn irgendwas daneben geht.

00:43:41: Und dann sozusagen was echtes passiert?

00:43:44: Da ist es schon fast egal, selbst wenn unterbrochen wird oder jemand offensichtlich seinen Text vergessen hat... ...oder plötzlich jemand sagt etwas anderes und alle müssen lachen.

00:43:53: Das sind Momente die nicht nur interessant sind für uns als Künstler sondern auch fürs Publicum.

00:43:57: immer!

00:43:58: Ich will das nun mal so am Rande sagen ich bin ja ein großer Fan vom Professional Wrestling Und zwar warum?

00:44:06: Weil sozusagen dieses Wrestling, was ja eine vorgespielte Kampfsportaktion ist.

00:44:13: Auch davon lebt das manchmal etwas Echtes dazwischen durchkommen und denkt sind die jetzt wirklich sauer auf?

00:44:17: Das ist jetzt ein echte Schlägerei womöglich!

00:44:20: ausgebrochen mitten in dieser Gesamtshow und so ist es auch beim Theater.

00:44:23: Die Leute sagen, jetzt spielen die doch immer nicht jeden Abend so das ist doch jetzt irgendwie anders.

00:44:29: ja also sozusagen und dann sind die ganz Mensch.

00:44:31: jetzt habe ich was besonderes hier und dann plötzlich hat man so eine Verbindung sagt, jetzt war diese eine Abend da war das dann irgendwie anders und das kriegen die dann.

00:44:39: je besser sie die Künstlerinnen kennen, desto eher fällt ihnen das auf Und ich glaube, dass diese Aspekte sind total wichtig.

00:44:48: Man darf auch das Publikum nicht unterschätzen, die haben einen Sensorium dafür, dass man auf der Bühne etwas vorspielt und gleichzeitig eine echte Gruppe gibt – und das kriegen sie auch mit wie wir untereinander interagieren.

00:45:03: Das gilt natürlich für eine Jazzband!

00:45:06: Und die reagieren da drauf und wollen auch das echte.

00:45:11: Auch der ganze viel von dem Social Media Hype hat ja auch immer damit zu tun, dass man da das Gefühl hat, man würde irgendwie was echtes aus dem Leben der Leute noch zusätzlich serviert kriegen.

00:45:21: Was ja nicht stimmt weil es eben mittlerweile Gesamtinszenierung oft sind.

00:45:25: Manchmal aber vielleicht doch so!

00:45:27: Das ist das was man will Und sozusagen dieses Suspense auf Disbelief.

00:45:32: Also was auch ein Film mitarbeitet, dass man irgendwie... Warum schauen wir immer Filme mit den immer gleichen Schauspielern drin?

00:45:38: Weil wir die schon kennen und weil wir dann manchmal so nicht nur die Ebene haben da spielt jetzt der Leonardo DiCaprio eine Rolle macht er das gut oder nicht und überzeugt mich der Plot sondern auch irgendwie... Da weiß ich doch von dem weiß ich sonst noch etwas.

00:45:51: und jetzt wollen wir mal gucken wie er sich hier schlägt.

00:45:53: ja und dann findet sozusagen sowas Staaten interessiert man sich für die Geschichten dahinter, wie ist das entstanden?

00:45:58: Und gab es da irgendwie Streit und so.

00:46:00: Ich glaube, dass diese Ebene ... Das ist die gleiche Ebene, die sozusagen dann bei diesem Live-Musik immer dazukommt und die das auch ausmacht.

00:46:11: Und das müsste man viel stärker umarmen.

00:46:14: D.h.,

00:46:17: die Person der Mensch verschmilzt mit dem Künstler sozusagen Erst dann erreicht er sein Publikum und gleichzeitig... Und

00:46:28: nicht völlig verschmilzt, sondern dazwischen auch sozusagen so ein Spannung erkennbar ist.

00:46:32: Ja.

00:46:37: Das Publikuum ist sozusagen gespannt darauf oder agiert nach diesen Unregelmäßigkeiten.

00:46:47: Also das was nicht predictable ist, Und da sind wir ja eigentlich dann auch schon wieder beim großen Vorteil gegenüber KI.

00:47:00: Das hat die KI bisher, kann sie das glaube ich nicht?

00:47:03: Die kann trotzdem

00:47:04: perfekt sein.

00:47:04: Aber

00:47:08: die kann nicht imperfekt sein auf einer witzigen zwischenmenschlichen Ebene.

00:47:13: Weil da nichts hinter ist.

00:47:15: also wenn die KI einen Fehler macht, dann ist einfach ein Fehler.

00:47:18: Aber Menschen können Fehler machen, dass dahinter erkennbar wird.

00:47:21: Was ist da für eine andere Soziale oder für ein Mensch hinter Persönlichkeit?

00:47:26: Und das ist interessant!

00:47:27: Ist das nicht auch wieder eine spannende Frage für dich als Soziologen?

00:47:32: Wir freuen uns doch wenn der andere Mensch seine Fehler hat und wir wollen gar nicht, dass er perfekt ist.

00:47:42: Also es kommt natürlich drauf an und wir wollen, dass der Alltag funktioniert.

00:47:46: Und das uns da nicht Leute ständig sozusagen an die Karre fahren mit ihrem Verhalten.

00:47:50: aber das stimmt natürlich und es gibt ja also eine der berühmtesten klassischen Soziologen Irving Hoffmann mit seinem Buch.

00:48:01: auf Deutsch heißt das Wir alle spielen Theater.

00:48:03: Ja also sozusagen die Vorstellung dass wir natürlich in jeder sozialen Begegnung Es immer Regeln, Normen gibt die eingehalten werden wo man irgendwie auch eine Rolle spielt.

00:48:12: Das lernen wir alle schon in der Schule.

00:48:13: Wir alle spielen Rollen und so Klassiker des Wert-und-Normunterrichts.

00:48:17: aber sozusagen ist natürlich total richtig.

00:48:19: Man darf das nicht übertreiben.

00:48:20: es heißt nicht dass wir uns allen nur Schauspielerisch begegnen.

00:48:22: Das tut es eben gerade nicht sondern es ist ein Vermitteln.

00:48:24: Wir vermitteln auch im Alltag ständig zwischen den vorgegebenen Rollen um uns tatsächlich und wir signalisieren uns dahinter auch tatsächlich je nachdem wie gut wir die Person kennen.

00:48:35: Das heißt, wir tauschen ständig Signale aus über mehrere Ebenen.

00:48:39: Hier ist es hier erfülllich Erwartungen und hier bin ich echt.

00:48:42: Und das ist das was unsere menschliche Kommunikation ausmacht.

00:48:46: Je mehr das in der Kunst drin ist desto mehr spricht sie Menschen auch an.

00:48:50: Das wird glaube ich deutlicher wenn jetzt eine KI kommt die sozusagen nur den Frontstage nachmachen kann aber nicht den Backstage der sozusagen deutlich wird.

00:49:00: Guter Punkt!

00:49:03: Du arbeitest viel mit dem Begriff der Moral Economy, also den moralischen Grundüberzeugungen die wirtschaftliches Handel legitimieren oder De-legitimieren.

00:49:11: Gibt es so etwas wie eine Moral economy der Musik und gerät die gerade unter Druck durch Streaming?

00:49:18: Durch KI?

00:49:18: Durch die Ökonomisierung von Kreativität?

00:49:23: Tja... Also ich meine dass man als erstes sagen die Diagnose dass es in der Kunst immer weniger moralisch und ökonomischer zugeht.

00:49:31: Die ist glaube ich auch tausend Jahre alt, oder?

00:49:33: Also wenn nicht Tausend dann würde ich sagen also schon du kannst ja auch selbst wenn ihr jetzt bei Bach oder so geschauen wird würdest sagen wie viel Auftragsmusik?

00:49:42: und sozusagen ist da gar nicht

00:49:43: mehr

00:49:44: viel Ökonomisierung.

00:49:45: Ja

00:49:45: schließlich.

00:49:49: Das war ja alles für jemanden eigentlich für jemandem der zum Beispiel nicht so ganz mit den Werten der Kirche übereingeht.

00:50:01: Für die müsste Bach ja eigentlich ein rotes Tuch sein, der sehr viel kirchenmusik geschrieben hat für Messen etc.

00:50:10: und so weiter.

00:50:12: Und die

00:50:12: Nähe zur Macht was heute sozusagen der heutige der ökonomische Druck ist war halt damals auch der Druck sich eventuell mit lokalem Fürsten gutzustellen mit Zähnen die dann irgendwie dafür sorgen dass man da Arbeit machen kann.

00:50:25: Insofern, aber gut.

00:50:27: Abgesehen davon was die Frage alt ist, stellt sie sich natürlich trotzdem für heute auch nach wie vor.

00:50:32: Moral Economy heißt eigentlich ein Konzept... Ich meine es ist natürlich irgendwie banal zu sagen Menschen haben eine Moral, die haben nicht nur ihr ökonomisches Interesse.

00:50:42: das für ich banal Das ist klar, dann ist trivial.

00:50:45: Aber jetzt das Moral economy Argument dreht sich darum dass man Auch das wirtschaftliche Handeln selber, da wo man kalkuliert.

00:50:54: Da wo man sich überlegt bleiben Gewinne übrig und versucht sein Dasein zu fristen seine Bedürfnisse zu befriedigen.

00:50:59: auch das ist nicht frei von Moral.

00:51:02: Es ist ein bisschen eine Auseinandersetzung mit der ökonomischen Theorie die ja immer versucht Modelle vollständiger Rationalität irgendwie Und Nutzen maximierung zu entwickeln.

00:51:11: Nicht weil sie denken dass Menschen immer so funktionieren Sondern weil Sie der Meinung sind So kann man effiziente Ökonomie organisieren Die sozusagen Wo alle sich maximal rational verhalten und dementsprechend ihren Nutzen verfolgen.

00:51:23: Dann gibt es Angebot und Nachfrage, dann entwickelt sich ein Preis.

00:51:27: Und gegen diese Vorstellung sagt jetzt die Moral Economy auch da wo Menschen sich ökonomisch-rationalverhalten wollen oder müssen um sozusagen mit ihnen Ressourcen umzugehen selbst da mischt sich immer wieder moral ein weil Menschen eigentlich damit davon konfrontiert sind Selbst wenn ich weiß, ich will jetzt meinen Gewinn maximieren.

00:51:51: Wie maximiere ich mein Gewinn?

00:51:52: Ich muss natürlich irgendwie schauen wie interagiere ich mit den anderen und wie bringe ich andere dazu dass sie auch sich anstrengen für das wo ich dann was von habe?

00:52:00: wir arbeiten ja immer arbeitsteilig in unserer Gesellschaft und da brauche ich eine moralische Fundierung.

00:52:06: und wenn ich mich ständig nur offensichtlich nichts anderes tue als Leute abzuzocken dann werden die irgendwann ihre Abwehrreaktionen entwickeln und dann wird auch das Abzocken weniger gelingen.

00:52:17: Das heißt, im Grunde gibt es immer in jeder menschlichen Interaktion einen moralischen Aspekt – und es ist total naiv, ökonomische Modelle aufzumalen von menschlichem Verhalten, die dem nicht Rechnung tragen.

00:52:30: Und das ist so ein bisschen das, was von einer Grundüberzeugung der Wirtschaftssoziologie ist.

00:52:36: Das heisst selbst wenn ich auf den Wochenmarkt gehe und irgendwie einen Apfel kaufe Und dann entscheide kauf ich den Apfel jetzt hier bei dem Bauern oder bei den Bauern.

00:52:46: Selbst da wird sich immer noch was anderes reinmischen, als wie gut ist der Apfel und wie hoch ist der Preis?

00:52:52: Das bedeutet dass man eben nicht nur irgendwie auch immer moralischer Mensch ist sondern das man die Moral irgendwie auch benutzt für ökonomische Entscheidungen.

00:53:04: Dass man sagt es viel einfacher wenn ich immer zu dem gehe den ich irgendwie sympathisch finde ... kann ich eine Entscheidung selber treffen.

00:53:09: Es sind pragmatische Entscheidungen und dadurch wird es dann... ...durch spielt diese ganze moralische Seite zwischen Menschen, die seine eine viel tiefergehende Rolle auch für unser ökonomisches Handeln als man denkt.

00:53:22: Das ist eigentlich der Punkt an dem.

00:53:23: Da

00:53:23: gehst du jetzt sozusagen aber vom Groh der Menschheit aus oder der Gesellschaft.

00:53:31: Weil bei entscheidenden Akteuren der Wirtschaft also auch gerade auch der Musikwirtschaft.

00:53:38: Ich denke da jetzt mal an den CEO von Spotify, also mit seinen Aussagen und auch mit seinem Handeln ja nun wirklich kreative Musikerinnen eigentlich in Existenznöte drängt um K.I.. KIG generierte Musik, also selbst KI-generierte Musik kommt jetzt dazu.

00:54:10: Alles um die sozusagen die Gewinne seines Konzerns zu maximieren.

00:54:21: Was passiert da?

00:54:22: Wie säht denn jetzt eine adäquate Reaktion daraus

00:54:28: aus?

00:54:30: Außer dass viel... Also ich selber ab... glaube ich nur ein Album oder so auf Spotify.

00:54:36: Ich habe selbst keinen Spotify-Account, ich kenne auch viele Musikerinnen die das komplett boykortieren.

00:54:45: Das ist aber natürlich... das ist ja nur ein Tropfenorgen heißen Stein.

00:54:48: Man müsste ja eine allgemeine Überzeugung da sein zu sagen.

00:54:53: Nee, das ist nicht moralisch was da passiert!

00:54:56: Ja also es ist ja.. ich würde erstmal empirisch betonen dass Die Menschen ganz schön viel protestieren und kritisieren eigentlich am Kapitalismus immer.

00:55:08: Also es gibt immer wieder so Momente, aber das ist auch eine Forschungsfrage für mich.

00:55:13: Wann fangen Leute an zu schimpfen und zu protestieren?

00:55:18: Das ist jetzt ungerechtfertigter Gewinn.

00:55:20: Wir haben gerade so eine Episode hinter uns bei den Mineralölkonzernen als die Preise so stark gestiegen sind Und da war auf einmal riesen Outrage moralisch, politisch auch.

00:55:32: Da hat man sogar überlegt ob man nicht irgendwie per Staat das jetzt abschöpft über Gewinnsteuer weil man sozusagen dachte Mensch die erhöhen einfach immer weiter den Mineral Ölpreise, den Benzinpreise obwohl der ÖlPreis so stark gar nicht gestiegen ist.

00:55:44: Die nutzen es irgendwie aus sprechen sich da irgendwie ab und dann gibt's sozusagen großen Ausbruch.

00:55:49: ja und wenn manchmal hört man bestimmte Entscheidungen, die solche CEOs dann treffen.

00:55:55: Elon Musk ist ja auch so ein Beispiel, wo dann auf einmal alle sagen, ne, da kaufe ich jetzt nichts mehr oder so?

00:55:59: Dann gibt es so Protests und das ist ganz interessant weil diese Art von Protestform nicht einfach daraus bricht, wo's am schlimmsten isst sondern sie bricht daraus, wo sich das so medial-sozial anbietet oder so oder wo's funktioniert.

00:56:15: Also Social Media ist da auch oft ein Thema.

00:56:17: Es gibt eine ganze Menge Leid am Kapitalismus, ja weiß ich nicht Rohstoffe min afrikanische Länder die in denen sozusagen unter schlimmsten Bedingungen die Rohstoff aus dem Land geholt werden.

00:56:30: Nicht nur sozusagen kolonial angeeignet sondern auch von den Leuten vor Ort sozusagen unter schlimmen Arbeitsbedingungen irgendwo rausgeholt werden.

00:56:37: Und das passiert sozusagen täglich.

00:56:39: und dann gibt es aber manchmal Momente, wo man sagt Mensch der hat jetzt so und sucht er zieht jetzt so viel Gewinne raus.

00:56:45: Der ist noch mal besonders schlimm hat protestieren wir jetzt alle gegen?

00:56:47: ja sonst sagen das heißt wir haben eigentlich keine Wir haben keine coherente moralische Position.

00:56:56: Weil

00:56:56: sie unüberschaubar ist?

00:56:57: Die Komplizenschaft, die wir alle haben... Ich sage mal in Studierenden immer, rechnen Sie damit, dass sich die Hände schmutzig machen.

00:57:03: Es geht nicht anders im Kapitalismus.

00:57:04: Das ist so eine moderne Reformulierung von.

00:57:07: es gibt kein richtiges Leben im Falsch.

00:57:08: Also mit anderen Worten, wir suchen uns gerne irgendwo einen Schuldigen raus auf dem man dann mal zeitweise ja auch, das ist ja selten wirklich richtig nachhaltig dann sauer ist und rebelliert, aber morgen ist ein neuer Tag.

00:57:24: Und dann muss die Ommans Krankenhaus und man ist schon wieder mit ganz anderen Sachen beschäftigt.

00:57:31: Genau!

00:57:32: Wir sind so involviert in diese globale Marktwirtschaft das es eigentlich schwierig ist wirklich.

00:57:41: Es gibt keinen Komp.

00:57:44: Selbst

00:57:44: wenn wir jetzt anfangen zu protestieren Wenn wir jetzt in großen Zahlen sagen, wir wollen eigentlich ein anderes Modell.

00:57:55: Das geht so nicht?

00:57:56: Dann wird es auch dieses andere Modell geben und dann wird jemand kommen und wird sozusagen eine neue App organisieren.

00:58:03: Aber auch da werden irgendwelche Wege gefunden werden müssen um die Gewinne rauszuziehen!

00:58:07: Wo wir gerade bei dem Thema sind – ich habe letztens einen interessanten Podcast gehört wo Herbert Grünenmaier zu Gast war der sich ja in den letzten Jahren sehr für die Künstler einsetzt.

00:58:18: Und weil also das Problem ist bei Streaming-Portal zum Beispiel, dass das ganze Geld was die User zahlen geht in einen großen Topf und der wird dann anteilig verteilt.

00:58:31: Ja!

00:58:32: Die großen Künstler, die viele streamsam bekommen dann auch mehr von denen, also bekommen anteilig viel mehr als jetzt.

00:58:41: kleine Künstlern unter anderem Grönemeyer oder auch viele Musikerin kämpfen dafür, dass es ein User-Centric System gibt.

00:58:52: Das heißt das wenn ich jetzt meinen Spotify Account habe für was ich zehn Euro oder fünfzehn Euro im Monat und ich höre jetzt nur Heiner Schmitz, dass diese... Dass die... ...das war sich zahle, was dann übrig bleibt abzüglich der Gebühren, dass das Prinzip an den Günstler Heiner Schmidt geht und nicht in diesen großen Topf wandert.

00:59:17: Und das Interessante war, dass Grünenmeier gesagt hat die Streaming-Plattform und ich weiß jetzt bin jetzt nicht sicher ob er Spotify damit eingeschlossen hat aber sie sind eigentlich bereit dafür das so zu machen.

00:59:32: wer sich dagegen wehrt sind die großen Plattenfirmen.

00:59:35: ja weil die können so auf diese Art und Weise nämlich steuern Welche Künstler sie an den Markt bringen und was für ein Erfolg die haben.

00:59:47: Ja genau das ist sozusagen, dass ja das ist dann die Entsprechung zum früher selber Platten aufkaufen in großer Zahl um irgendwie die Charts zu erhöhen.

00:59:57: Das sind sich Strategien die da gemacht werden können?

01:00:01: Also ich glaube schon... Kapitalismus ja auch ein Kreislauf.

01:00:06: Also ich meine, warum kann jemand dieses Modell so machen als alle nutzen?

01:00:12: Es ist eine Binsenweisheit also man muss es nicht auf Spotify hören und man kann ja auch seine Sachen anders hören Und wir gehen natürlich immer wieder in die Falle aufgrund unserer Anfälligkeit für.

01:00:23: was ist besonders einfach?

01:00:24: Was machen alle?

01:00:25: Wir orientieren uns an den anderen dann machen wir das auch.

01:00:27: Ja, dann gibt es so ein gesellschaftliches Wissen diese App.

01:00:29: Wie funktioniert sie?

01:00:30: Ist viel leichter wenn man die gleiche benutzt wie die anderen.

01:00:32: das sind alles so Logiken die da die Plattform befördern.

01:00:37: die großen Plattformen aber eigentlich sind die Bedingungen also Die Bedingung andere Vertriebswege auch für die eigene Kunst zu finden sind ja eigentlich besser als hierzu vor Also besser als in der Zeit als es irgendwie einen Radiosender in der Stadt gab Wo dann der lokale DJ entschieden hat was aufgelegt wird.

01:00:54: oder ich glaube es gab's nie

01:00:59: Wenn ich jetzt an meine Kindheit in der DDR zurückdenke, es gab zwei Fernsehsender.

01:01:10: Der war auch staatlich gelenkt und das war natürlich sehr... Das war sehr einseitig was da gelaufen und berichtet ist.

01:01:25: Auf der anderen Seite, die Vielfalt an Medien, die man jetzt zur Verfügung hat ist natürlich... Also diese Freiheit dann ist für die meisten auch nicht einfach.

01:01:36: Und die werden dann dahin rennen, Stichwort Bild vielleicht oder auch Spotify wo es entweder am lautesten geschrieben wird oder die meisten anderen sind oder die einfachsten Botschaften gesendet werden Ist nicht einfach.

01:01:55: Ja, also die Frage soziologisch gewendet müsste man sagen ist eigentlich... Also ist unsere Gesellschaft eigentlich fähig aus den technologischen Mitteln tatsächlich eine bessere Gesellschaft zu zimmern oder ist es nicht?

01:02:11: Also sozusagen wir haben die technologische Mittel sind sind ja da und sie sind, um Dinge auch anders zu organisieren.

01:02:17: Aber haben wir eigentlich die Ressourcen als Gesellschaft?

01:02:20: Ja gut, die technologischen Mittel.

01:02:22: aber das, dass die erstmal auch oder ganz viel wenn Sie neu eingeführt wurden missbräuchlich verwendet worden... Das ist ja seit dem Mittelalter bekannt also Stichwort Hexenverbrennung.

01:02:39: Das hat erst stattgefunden nachdem der Buchdruck erfunden wurde.

01:02:45: Dann wurde der Hexenhaber geschrieben von, ich weiß nicht mehr, irgendeinem...

01:02:48: Ja ja richtig.

01:02:49: ...der quasi bestimmt hat wer jetzt ein Hexe war und wer nicht.

01:02:53: Dieses Buch hat sich über den Buchdruck verbreitet und auf einmal ging es los.

01:02:58: Das Radio Nationalsozialisten.

01:03:02: Genau.

01:03:02: Propagandainstrument des frühen Jahrhunderts vor allen Dingen auch von den Nazis in Europa stark benutzt.

01:03:08: Jetzt haben wir die Social-Medien, wo zum Beispiel die Manusphere ganz stark umkommen ist.

01:03:15: Richtig!

01:03:15: Und viele... Also aber wir müssen damit lernen, umzugehen glaube ich und jeder muss da irgendwie seinen eigenen Weg finden.

01:03:24: Ich habe das Gefühl ich glaube dass wenn mir jetzt eine nachwachsende Generation so ein bisschen auch die der Sachte heran führen also auch gerade an sozialen Medien und die Nutzung und Entscheidungen Also, wie wäge ich ab?

01:03:39: Was jetzt wertvolle Informationen sind und was nicht.

01:03:42: Dann wird das auch besser werden.

01:03:44: Ich glaube eine Generation die sozusagen in ihrer Mitte von so einer Neuerung getroffen wird, die wird sich damit viel schwerer tun.

01:03:55: Das

01:03:56: ist mein Gefühl!

01:03:57: Ja

01:03:57: und ich glaube, was wir an der Uni aufversuchen ist diese KI-Herausforderungen nicht immer nur zu sehen als... Na ja, da sind so Gefahren und wir wissen gar nicht mehr ob die Studierenden ihre Sachen selber geschrieben haben.

01:04:10: Und das sind alles natürlich Herausforderungen.

01:04:13: aber andererseits müssen wir auch als Bildungseinrichtung ganz stark darauf achten dass die Leute die Kompetenz kriegen mit dieser mit KI umzugehen zu wissen wie es funktioniert.

01:04:24: weil ich glaube Ich denke die große Gefahr ist nicht dass die KI uns irgendwie weiß ich nicht die Macht übernimmt oder uns alle arbeitslos macht sondern die große gefahr ist dass wir als gesellschaft zunehmend Das ist sozusagen zunehmend ein Vergessenheitgerät, wie funktionieren diese Technologien eigentlich?

01:04:40: Und das finde ich auch mit jungen Leuten jetzt mal weiß nicht meine Kinder oder so.

01:04:45: Immer die sind natürlich den sogenannten Digital Natives oder so, die sind mit diesen Sachen aufgewachsen und die natürlich können die damit ganz anders umgehen als ich das jetzt zunehmt.

01:04:56: auch kann ja wir sozusagen Ende Ende vierzig.

01:04:58: so langsam merke ich trotz meiner Technologie Begeisterung Jetzt gibt es noch manchmal Apps.

01:05:02: die verstehe ich dann nicht Und da sind die anders.

01:05:06: Aber ich glaube, ich weiß schon noch so ein bisschen wie diese Sachen funktionieren und das ist man nicht unbedingt mehr heute nötig.

01:05:14: Man muss nicht mehr alles verstehen um zu wissen... Also man muss nicht mal wissen wie es funktioniert, um es zu nutzen weil es immer mundgerechter sozusagen sich präsentiert, die Technologie auch.

01:05:24: Das ist natürlich schon eine Gefahr Weil dann irgendwann man gar nicht mehr auf die Idee kommt, dass der Text den man jetzt gerade vor sich hat oder die Musik die vor sich hatte eventuell aus KI entstanden sein könnte.

01:05:36: Oder was das dann bedeutet wenn es KI ist?

01:05:38: Was daran falsch sein könnte oder so.

01:05:40: Das wissen sie dann gar nicht meer.

01:05:41: Das heißt also man muss im Grunde als Bildungsprozess da schon irgendwie dran bleiben, dass man noch weiß wie das eigentlich im Hintergrund tatsächlich funktioniert.

01:05:53: Ja vergiss mir wahrscheinlich leicht Daran.

01:05:57: anschließend hätte ich jetzt eine Frage, wo wir im Bezieh bei den Neuerungen sind und KI oder auch Algorithmus.

01:06:09: Ich höre was bei Spotify oder Apple oder sonst woher immer.

01:06:18: Der Algorithmus schlägt dann vor, andere Hörer hörten auch diesen das.

01:06:25: Oder das könnte Ihnen gefallen?

01:06:33: Ich möchte da an der Stelle auf Bourdieu

01:06:36: kommen...

01:06:37: der quasi gesagt, also Kuntlerin gesagt hat das Musikgeschmack als Distinktionsmerkmal funktioniert.

01:06:43: Soziale Distinkzion.

01:06:44: Das heißt, also der gebildete Bürger ging in die Oper zum Beispiel auch wenn er kein Wort verstand, egal.

01:06:52: Er ging in den Oper und der Arbeiter...

01:06:59: Nicht!

01:07:00: Ich arbeite nicht.

01:07:02: Was ist heute noch so?

01:07:04: Ich versuche Analogies in die Vergangenheit zu finden, aber ich sage mal ganz plakativ der hört Schlager oder einfach Beatmusik... Und Bourdieu

01:07:16: hat das anhand von empirischen Studien für die französische Gesellschaft der achtziger Jahre gezeigt.

01:07:21: also er konnte es anhand vom Zahlen zeigen dass das so ist da eher Schlager gehört wird oder auch gut gefunden wird durch Befragung.

01:07:29: Hat er sich nicht ausgedacht in seinem Steotypendenken über Menschen, die weniger verdienen?

01:07:33: Sondern das sind empirische Untersuchungen.

01:07:38: Das wäre jetzt interessant, wenn der Algorithmus eingreift.

01:07:42: Wie entsteht so was wahrscheinlich auch durch die sozialen Schichten.

01:07:46: Dann hört dein Arbeitskollege... Hört das und das, Helene Fischer.

01:07:52: Und dann gehen sie auf den Konzert und gehst mit.

01:07:56: Du bist vielleicht musikalisch nicht so vorgebildet.

01:08:01: Nicht gegen Helenefischer überhaupt nicht!

01:08:02: Aber du lässt sich eher sozusagen mitreißen im Musikgeschmack.

01:08:08: Andersrum kann es genauso funktionieren.

01:08:10: Du arbeitest irgendwie... Du bist Professor an der Uni?

01:08:15: Und deine Kollegen sagen, hey wir gehen jetzt in die Oper.

01:08:18: Kommt noch mit und du hast eigentlich überhaupt keine Ahnung was Oper ist.

01:08:20: Du weißt nicht worum es da geht.

01:08:22: Eigentlich findest du's auch irgendwie gar nicht so spannend.

01:08:27: aber dann am zweiten dritten Mal gehört das irgendwie dazu als Zeichen deiner Stil.

01:08:35: Das Lebenstil.

01:08:36: Sollte im Budget

01:08:36: sagen ja.

01:08:38: Genau.

01:08:40: Ist doch den Gefahr vielleicht jetzt durch solche Algorithmen Klassen entweder bewusst für sich behalten oder dass man diese Algorithmen so programmieren kann, eine bestimmte Richtung gelenkt wird.

01:08:59: Also es geht ja beides, die Frage ist also was möchte man von den Algorithmen?

01:09:04: Ich weiß es gibt Algorithme wie bei Facebook war das immer so früher, ich weiß nicht ob das heute noch so ist dass sich stark daran orientiert was die Leute liken, was die anderen die zu meinem Netzwerk gehören.

01:09:18: Es gibt aber auch zum Beispiel die Logik bei TikTok.

01:09:22: Da sind die Algorithmen weitgehend ungeklärt.

01:09:24: Das geht nämlich nicht nur nach Like, sondern da gibt es manchmal Sachen, die kaum jemand gesehen hat oder aber der Algorithmus entscheidet.

01:09:32: das könnte interessant sein jetzt und spült das rein.

01:09:35: Und dann sehen's deshalb viele untergreifte Algorithmos viel stärker sozusagen redaktionell eigentlich ein.

01:09:40: Der hat natürlich auch eine Logik, nach der er das macht, wenn der Content wird verglichen mit Sachen die erfolgreich waren und wenn er da nah dran ist, also insofern schickt er das in alle.

01:09:49: Das heißt, das kann man entscheiden an den Algorithmen.

01:09:52: Aber die Frage ist auch ein bisschen was will man?

01:09:54: Also sozusagen in die Studien der, was KI und auch das Internet-Suchmaschinen war schon so... Und bei der KI es ist auch noch so.

01:10:03: wir stellen immer wieder fest in einer sociologischen Forschung wie sehr die sozusagen Diskriminierungsstrukturen wiederholen also wie sehr sozusagen Gender Race, die ganzen Thematiken sich da widerspiegeln und das da eher, wenn du sagst, generier mir mal ein Bild irgendwie von weiß ich nicht.

01:10:20: Von einem Krankenhaus oder so dann sind da einfach mehr Weiße und Männer drin als sozusagen als Menschen anderer Hautfarbeetnien und Frauen.

01:10:30: Und das kann man zeigen dass die KI darauf da sozusagen diskriminierend agiert.

01:10:35: und warum macht sie das?

01:10:37: Nicht!

01:10:38: In den meisten Fällen nicht, weil sie darauf programmiert ist das zu machen mit Absicht sondern weil sie wiederholt was die Gesellschaft macht.

01:10:44: Das heißt also Diskriminierungs oder Stigmatisierung Ungleichheitsformen werden wiederhohlt in dieser Logik und da ist es völlig egal ob wir KI haben oder nicht.

01:10:54: Da kannst du die KI auch wegdenken, denn das ist der alte Baudierprozess dass sozusagen soziale Gruppen sich distinguieren durch ihren Geschmack, durch ihr die Ästhetik diese gut finden.

01:11:03: und das reproduziert sich dann auch natürlich in dem wenn die KI jetzt einfach nur zählt.

01:11:08: Wie reproduziert sie das?

01:11:10: Ja ist aber auch gefährlich.

01:11:13: also ich habe letztens eine Reportage gesehen über dieser sogenannte Manus-IV Mann sein, nach treffzunehlen Werten und die Frau... Also dass der Mann auch über der Frau steht usw.

01:11:28: mehr oder weniger propagiert wird?

01:11:29: Ja!

01:11:30: Und wie vor allen Dingen gerade junge Männer- oder auch noch Teenager im Alter von sechzehn Jahren aufwärts quasi über Algorithmen auf Instagram, TikTok in diese Manus vier gespült werden.

01:11:45: Und das fängt... Hansa hat gesagt es fängt meistens mit harmlosen dass die hier auf irgendwelche harmlosen Fitness Clips stoßen.

01:11:59: Also keine Ahnung, Workout zu Hause,

01:12:02: Muskelaufbau,

01:12:04: Calisthenics und so... Und der Link ist dann zur Menospher, die ja auch sehr viele auf ihr aussehen und ihren Körper und Fitness und kein Alkohol und was weiß ich alles achten dass da so ein Link ist.

01:12:19: und dann macht der Algorithmus, spürt die sozusagen ob absichtlich oder unabsichtlich oder nicht programmiert wie auch immer.

01:12:28: Spürt sie der halt auch rein in eine ja doch etwas bedenkenswerte Strömung der Gesellschaft?

01:12:35: Also muss man da überlegen, ob man da irgendwelche Schranken einbaut.

01:12:40: oder wäre das dann auch wieder würde es der Logik des Marktes widersprechen?

01:12:45: also als ich ein sechzehnjähriger ... angehender Musiker oder so gewesen bin, hier in Braunschweig auf dem Gymnasium.

01:12:54: Da würde ich sagen da gab es ungefähr

01:12:57: fünf

01:12:57: Leute... ...oder sechs die auch irgendwie Musikaffin waren und die mir gesagt haben was ich jetzt kaufen soll als nächstes Album.

01:13:08: Ja also die sozusagen, die waren mein Algorithmus.

01:13:11: ja und das war sozusagen Es ist der Milieu-Effekt, den du da hast.

01:13:17: Der ist glaube ich auch immer da.

01:13:20: Also insofern weiß ich gar nicht ob nicht sozusagen die Menospher... also wie viel daran ist Algorithmus und wieviel wäre jetzt die Menosphher noch durch die Jugendkultur da wenn man keine KI hätte?

01:13:35: Weil das natürlich gesellschaftliche Trends sind und so und es hat was mit sozusagen Entierungslosigkeit für Männlichkeitskonstruktionen und so zu tun.

01:13:45: Und es gibt dann Backlash gegen Liberalisierungstendenzen gesellschaftlich, sodass ich mir nicht sicher bin inwiefern das bodhirsche Argument ist glaube ich immer noch gültig.

01:14:03: Die Klasse schafft den Geschmack oder die... Ja,

01:14:06: wobei man bei Bourdieu jetzt natürlich die Lebensstilforschung ist.

01:14:10: Der betont jetzt vor allen Dingen die Distinktion verschiedener Milieus zueinander und damit ist nicht nur gemeint armreich Mitte bei Bourdieu sondern es ist eine sehr komplexe Struktur von unterschiedlichen sowohl ökonomischen Kapital als auch Bildungs-Hintergründe kulturell im Kapitalregionen.

01:14:27: Man kann alles und an Bourdieux anschließende Lebensstielforschungen hat das sehr kann das mittlerweile sehr viel genauer zeichnen, sodass auch auf der gleichen Klasse in der Mittelschicht alleine so viele Milieus unterschieden werden können.

01:14:39: Die sich aber auch voneinander distinguieren und das kennt man ja auch.

01:14:42: Das ist gesellschaftlich dass sozusagen diese Lebensstile sich unterscheiden.

01:14:48: Und Bourdieux sagt eben wir wenn wir uns begegnen Wenn wir beide uns jetzt begegnet Wir sehen uns eigentlich unsere Milieuzugehörigkeit erst mal nicht an Auf den ersten Blick Sondern wir müssen dann mit allen beziehen, alle möglichen Signale die wir senden.

01:15:03: Das sind dann schon auch so Klamotten, die wir anhaben und das ist unser Konsumverhalten.

01:15:06: Das heißt im Grunde ist diese Distinktion da geht es immer darum eine Zugehörigkeit zu signalisieren untereinander.

01:15:13: Und was machen wir ganz stark?

01:15:14: Auch über Ästhetik und Geschmack und Musik und dieser Abgrenzung und Zugehöhrigkeiten organisieren sich so.

01:15:23: manipuliert werden.

01:15:24: Das ist dann das ganze Feld der Hochstapler, die sozusagen eine andere Zugehörigkeit signalisieren können als sie eigentlich haben und dadurch auch unter dem ständigen Geld verdienen können.

01:15:34: Und diese Distinktionsmarker sind besonders ausgeprägt in einer Jugendkultur weil Jugend sich ganz stark um die Frage dreht immer wo soll ich hingehören?

01:15:45: Sozial wo gehöre ich hin?

01:15:46: Wer bin ich?

01:15:47: Also sozusagen in der Persönlichkeitsentfaltung So dass das auch so eine Zeit ist, in der besonders stark eine Rolle spielt.

01:15:53: Was sagt meine Peer Group darüber?

01:15:56: Welche Alpen ich hören soll oder welche Musik?

01:15:59: und das ist was durch die Algorithmen nachgebaut wird eigentlich.

01:16:04: aber

01:16:04: es ist natürlich ein gesellschaftlicher Prozess.

01:16:06: Das ist ne Abbildung des Gesellschaftlichen... Man

01:16:08: könnte jetzt eingreifen und könnte sagen jetzt gibt es sozusagen weiß ich nicht Pädagogik Spotify und das sagt jetzt, pass mal auf.

01:16:18: Dein Musikgeschmack führt dich in die Menosphe.

01:16:20: Das machen wir nicht.

01:16:21: Jetzt kriegst du hier stattdessen mehr Schlager reingespielt?

01:16:24: Na gut, passt vielleicht zur Menospher.

01:16:26: noch, weiß ich nicht aber... Jetzt hast du mehr FreeJS eingespielt.

01:16:30: Warum?

01:16:31: Weil wir sehen, dass da eine gewisse Milieu-Zugierigkeit abbildet ist.

01:16:35: Die wollen wir eigentlich nicht haben, weil das ist nicht gut für dich und so.

01:16:38: Ja also die Bevölkerung gehen ja eher in andere Richtungen.

01:16:42: Wenn man es gefühlt hat in deinem Datenprofil im Internet durch die sozialen Medien und deinen Spotify-Account Du wirst uns langsam vielleicht zu libertär oder liberal, oder vielleicht sogar zu links.

01:16:59: Oder was auch immer!

01:17:02: Wir müssen da jetzt gegensteuern.

01:17:04: Genau das heißt so... Wir spielen, wir schlagen die jetzt Musik vor, die in konservativen Kreisen gern gehört hat und so weiter.

01:17:15: Das ist ja ... wir wissen gar nicht wer hinter oder wie sich diese Algorithmen.

01:17:21: Wir programmieren sich ja nicht von selbst.

01:17:25: Aber wir wissen nicht, wie Sie es machen!

01:17:27: Aber wir müssen ja eine politische Position entwickeln.

01:17:29: und was wollen wir denn?

01:17:30: Also sollen sie sozusagen je mehr wir sagen greif ein desto mehr sind wir sozusagen auf dieser Ebene von, dass dann eben unter Umständen da so jemand kommt und sagt na willst du wirklich diese Musik weiter hören die deine Freunde hören?

01:17:42: Willst du nicht was anderes hören?

01:17:43: Ja das ist immer schon bald

01:17:45: bei Big Brother.

01:17:46: Das ist dann ganz die einfache Entsprechung zu früher weiß ich nicht wenn du zum konservativen Milieu gehört hast Dass sie dich dann irgendwann nicht mehr eingeladen haben zu irgendwelchen Partys weil du bist irgendwie auf eine komische Richtung unterwegs ja weil du irgendwie zur links bist oder so Oder auch andersrum, wenn du in der Kommune gelebt hast, dass irgendwann die anderen gesagt haben, du pass mal auf.

01:18:04: Du fängst jetzt hier so an Gegenstände zu horten?

01:18:06: Das wollten wir ideologisch ja eigentlich nicht!

01:18:08: Wir sind ja gegen Eigentum.

01:18:10: Also das heißt eine moralische Mahnung durch den Algorithmus... Wie

01:18:14: du hast einen festen Job, du hast ein Haus

01:18:15: gekauft?!

01:18:16: Nein!

01:18:18: Also keine Ahnung, also das heißt auch wer zweimal mit derselben Pent gehört schon zum Establishment.

01:18:23: Auch das ist ja moralischer Druck für die Leute, denen die Gruppe irgendwie ausübt.

01:18:31: Oder wollen wir das nicht?

01:18:32: Dass diese Art von Eingriffintervention gemacht wird durch den Algorithmus und wir wollen es ganz frei haben.

01:18:38: Dann reproduziert der Algorithmos nach der Logik der Häufigkeiten dann reproduzierte er das was die Gesellschaft selber an auch Unfreundlichkeiten macht unter Verhältnissen Diskriminierungsformen sich gegenseitig antut wiederholt er oder verstärkt es sogar.

01:18:53: Da ist es ein Dilemma zwischen redaktionellem Eingriff und Demokratisierung.

01:19:01: Kurze Frage zurück auf deine Jugend, weil du ja gerade gesagt hast, dass da an der Schule sozusagen deine Bubble, deine Peergroup, die mir gesagt haben welche ... Die

01:19:08: mir gesagt habe, welche ich reinhören muss bei

01:19:11: Media Markt!

01:19:12: Genau jetzt weiß ich natürlich, dass du großer Fan von Funkmusik bist.

01:19:22: Gehörte das damals schon dazu?

01:19:24: War das sozusagen oder hat sich das dann eben doch von irgendwie selbst entwickelt.

01:19:30: Ja, das ist ein sehr guter Punkt weil es tatsächlich... ja wo kommt das her bei mir?

01:19:35: also ich habe eine große Begeisterung für Soul Music.

01:19:39: Also diese Peer Group die ich eben zitiert habe waren eher so da war er Red Hot Chili Peppers und dann so ein bisschen Ja, wie soll man es beschreiben?

01:19:50: Also eher so im härteren, im Hard Rock Bereich die immer da irgendwie neuesten Sachen.

01:19:55: Ich erinnere mich noch an so ein Danzigalbum was mir nahegelegt wurde und so also verschiedenste sozusagen auch dann...also da ging's auch ein bisschen um Subkulturen.

01:20:05: und hier ist das neueste Stuff.

01:20:07: und so Red Hot Chili Peppers weiß ich noch, bevor die sozusagen im Mainstream waren.

01:20:12: Da war dann immer so das muss man mal hören und interessant.

01:20:14: Die ersten sind ja ziemlich funky gewesen insofern könnte man seine Linie ziehen.

01:20:19: aber war es glaube ich nicht sondern also für mich war für die Soul und Funk Musik war für mich total wichtig.

01:20:25: der Commitments Film Den habe ich dann irgendwann mal gesehen da war ich irgendwie fünfzehn-sechzehn oder so und da war Ich derartig umgerissen von.

01:20:33: dieser ist ja auch ein fantastischer Film abgesehen von der Musik.

01:20:38: Da wird ja diese Parallele gemacht sozusagen, weiß nicht Detroit der Sechziger und dann irgendwie jetzt Irland Dublin sozusagen Southside oder ist es Northside sozusagen von Dublin.

01:20:50: Und das hat mich total gecatcht in der Musik und darüber habe ich dann angefangen zu sagen okay was sind da die Originale?

01:20:56: Blues Brothers hat auch eine Rolle gespielt in der Zeit.

01:20:58: Da sind ja diese ganzen Originalkünstler und dann arbeitet man sich da so hin.

01:21:02: Insofern kam das eigentlich daraus sodass das eher über eigentlich bei mir ziemlich medial vermittelt gewesen ist und gar nicht mehr musik hören sich entwickelt hat sondern über filme und über faszination für die zeit so würde ich das sagen.

01:21:16: also meine ersten bands waren allerdings doch auch schon in der zeit orientiert.

01:21:20: Ich habe viel so Beatles & Stones und so gespielt am anfang mit meiner band einfach deshalb weil man auch mehr noch nicht konnte, also nicht dass das jetzt immer ganz einfacher ist zu spielen aber sie sind ja doch zugänglich um einfach mal was zu spielen zugänglicher vielleicht als die frühen Red Hot Chili Peppers, um etwas nachzuspielen.

01:21:37: So insofern war es das eher.

01:21:39: aber ja und dann entwickelt sich das aber schon irgendwann.

01:21:44: Und da formiert sich natürlich auch so was wie ein Geschmack bei dem ich jetzt sagen würde der ist doch ein bisschen vielleicht nicht nur sozial bedingt sondern eigentlich noch eigenen Weg.

01:21:53: also genau man darf's auch nicht übertreiben mit den Milieu-Determinismus.

01:22:02: Ich glaube Wir haben jetzt schon weit einen Bogen geschlagen.

01:22:06: Ja, ich würde jetzt gerne abschließend zur Frage kommen für dich als Musiker auf der Bühne.

01:22:15: Gibt es da Momente die du so zylogisch gar nicht greifen kannst oder auch gar nichtgreifen willst?

01:22:22: Einfach diese Gefühl hast, ey das war jetzt Magie und ich mache gar nicht den Versuch dass jetzt irgendwie zu erklären, sondern lass es einfach wirken und freue mich daran.

01:22:35: Ja absolut!

01:22:36: Also das wäre ja auch schlimm also wenn man da gar nicht mehr abstellen könnte dass man das so analysiert.

01:22:42: ich würde jetzt nicht sagen dass es soziologisch nicht zugänglich ist was man da meint.

01:22:47: ich glaube dann gibt's Begriffe für.

01:22:48: also ich finde grundsätzlich sehe ich ja live Musik und die Begeisterung von Publikum und was da passiert sozusagen auch hat viel mit Grundformen der Religionssoziologie zu tun, wo es ein bisschen darum geht.

01:23:04: Also in der Religionsoziologie zumindest in bestimmten Strömungen ist ein zentrales Argument dass Religion früher eigentlich vor allem gesellschaftlich die Funktion hatte Zusammengehörigkeit zu feiern.

01:23:17: also kollektives Bewusstsein Momente des kollektiven Bewusstseins

01:23:21: Gemeinsames Singen, Leute da ja auch

01:23:24: dazu.

01:23:26: Wenn man die Ideologie anschaut, der Religion war das metaphysisch aufgeladen und so.

01:23:30: aber eigentlich ist das sozusagen aus sozialogischer Sicht eine symbolische... Also im Gottesdienst heißt es bei Dürkheim, im Gottes-Dienst feiert sich die Gesellschaft selbst.

01:23:40: Da wird also auf Gott heiten Totems ...proiziert, was eigentlich wir sind eins.

01:23:48: Und so sehe ich auch das, was passiert auf der Bühne.

01:23:51: Also es gibt tatsächlich diesen Moment des... dieses Gemeinsamen also wo man wirklich nicht mehr unterscheiden kann zwischen sich selber und den anderen die mitspielen und vielleicht sogar dem Publikum.

01:24:06: Wo das ineinander verschmelzt und das ist ein ganz toller Moment, da gibts diese diesen tiefsitzenden menschlichen Wunsch irgendwie in der Gesellschaft aufzugehen, regelrecht.

01:24:17: Ja also auch das Individuelle mal zu vergessen ist natürlich eine gefährliche Seite denn das machen auch natürlich politische Bewegungen, Agitation ja das heißt man isst am Steuerbarsten in solchen Momenten man ist sozusagen wachs in den Händen der religiösen oder politischen FührerInnen an dieser Stelle.

01:24:33: aber es Aber trotzdem, das ist die positive Seite und der Mensch ist sozusagen zunächst einmal Sozialwesen.

01:24:41: Und sozusagen das Wesen des Menschen ist sozusagen auch in einer Gesellschaft irgendwie voll sozusagen aufzugehen.

01:24:51: Gleichzeitig ist der Mensch natürlich auch ein Wesen was Freiheit will, ja?

01:24:54: Sozusagen darf man nicht vergessen aber... Das denke ich dann schon manchmal dass ich sozusagen die Begeisterung, die ich selber habe dafür auch für diese Momente dann die kann ich sehr genießen.

01:25:03: emotional.

01:25:05: Mir fällt dann aber auch manchmal dieses Zitat ein, dass es das Privileg des Menschen ist sich von den Institutionen konsumieren zu lassen wie er selber geschaffen hat also wo man sozusagen völlig in der Ordnung aufgeht.

01:25:16: Und das ist aber ein Zitat von Arnold Gehlen ja denn nun sozusagen rechts außen der Soziologie Nazina so zu sagen Also es gibt diese... Es gibt dieser... Diese tiefsitzende Wunsch nach Sozialität.

01:25:33: Das erleben wir heute auch in der Zeit, der kann sich eben auch in eine ganz gefährliche Richtung entwickeln.

01:25:36: Das darf man nie vergessen so schön wie das dann auf der Bühne ist und das meldet sich schon manchmal bei mir.

01:25:41: ich habe lange Gospel gemacht zum Beispiel, Gospel Musik Und hab da auch als List gesungen und hab dann doch auch gemerkt naja das ist... Ich hab die Rolle des Predigers in gewisser Weise und für mich war es eine Performance, ein Musikperformance für Leute aber nicht sondern da war mehr drin.

01:26:00: Man macht sich zum Gefäß so metaphysischer Dinge und da habe ich dann irgendwann entschieden, das kann ich nicht mehr machen.

01:26:07: Das müsste jetzt viel mehr glauben um es zu machen.

01:26:09: Es müsste echter sein, weil ansonsten kriegt er einen komischen Manipulationsaspekt.

01:26:15: Das habe ich bei der Popmusik nicht.

01:26:18: Aber das

01:26:20: ist

01:26:20: ein Element darin.

01:26:22: Jetzt glaube ich doch... kritisch dargestellt, aber also das schmälert den Spaß nicht.

01:26:28: Ja es geht ja um deine Einstellung.

01:26:30: Also es darf ja jedem selbst überlassen bleiben ob er an Gott glaubt oder an welchen Gott der glaubt und so weiter.

01:26:37: Aber wenn du dich in dem Moment nicht hundert Prozent damit identifizieren kannst und gleichzeitig auch das Gefühl hast... Du wirst Aufs Versehen, so eine Art

01:26:49: Predigate.

01:26:50: Ja ja, da sind Leute im Gospel entrückt unter Umstehen und dann ist man da das innen her.

01:26:55: Okay, verstehe ich.

01:26:58: Ja Sascha!

01:27:00: Ich

01:27:01: finde wir haben hier ein tolles Gespräch gehabt über viele Sachen gesprochen.

01:27:07: Möchtest du noch was anmerken?

01:27:08: Super,

01:27:08: ne, bin freu mich sehr dass wir das mal so besprochen haben Das immer wieder über das Verhältnis auch von Musik und Gesellschaft zu reden, total wichtig.

01:27:22: Und wir haben glaube ich auch einen guten Schritt gemacht dass wir es jetzt nicht nur immer in diesem klassischen Adorno sozusagen Ideologiekritik an der Musik- und Kommerzialisierung von Musik besprochen haben sondern die ganz verschiedene Facetten und das ist glaube ich wichtig

01:27:36: wie alles einander greift.

01:27:39: Ich bedanke mich bei dir, ich bedanque mich auch bei allen Zuhörern.

01:27:43: abonniert die Sendung gerne wenn es euch gefallen hat.

01:27:48: Bis zum nächsten Mal.

01:27:49: Macht's gut, ciao!

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